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Brot reißt unkontrolliert ein – Ursachen und Lösungen

Brot reißt

Die Bedeutung des Ausbunds

Ein unkontrolliertes Aufreißen des Brotes ist ein Problem, das viele Bäcker kennen. Es beeinträchtigt nicht nur das Aussehen, sondern kann auch die Krume beeinflussen. Der Ausbund, also der gezielte Einschnitt in die Teigoberfläche, ist entscheidend für die Lenkung des Ofentriebs. Fehlt dieser Einschnitt oder ist er nicht korrekt ausgeführt, sucht sich der Teig seinen eigenen Weg und reißt unkontrolliert auf.

Der Ausbund dient dazu, dem Teig während des Backens eine Sollbruchstelle zu geben, an der er kontrolliert aufreißen kann. Die Technik des Einschneidens, der Winkel und die Tiefe des Schnitts sind dabei entscheidend. Ein scharfer Messerschnitt ist wichtig, um die Glutenstruktur nicht zu zerreißen, sondern sauber zu trennen. Die Wahl des richtigen Werkzeugs, wie z.B. eine scharfe Klinge oder ein Grignette, ist daher von Bedeutung.

Der Einfluss der Teigspannung

Die Teigspannung spielt eine entscheidende Rolle für das Aufreißen des Brotes. Eine zu hohe Teigspannung kann dazu führen, dass das Brot unkontrolliert aufreißt, da der Teig dem Druck des Ofentriebs nicht standhalten kann. Die Teigspannung wird durch das Kneten und Formen des Teiges beeinflusst. Ein zu intensives Kneten oder ein zu straffes Formen kann die Teigspannung erhöhen.

Um die Teigspannung zu reduzieren, kann man den Teig nach dem Kneten ruhen lassen. Während der Ruhezeit entspannt sich das Gluten und die Teigspannung nimmt ab. Auch sanfte Bearbeitungstechniken, wie das Dehnen und Falten des Teiges, können helfen, die Glutenstruktur zu entwickeln, ohne die Teigspannung zu erhöhen. Ein gut entwickelter Teig hat eine angenehme Spannung, ist aber nicht zu straff.

Die Rolle der Gare

Die Gare, sowohl die Stockgare (Gare im Ganzen) als auch die Stückgare (Gare nach dem Formen), hat einen wesentlichen Einfluss auf das Aufreißen des Brotes. Eine Übergare, bei der der Teig zu lange oder bei zu hoher Temperatur gegärt wird, kann dazu führen, dass das Brot unkontrolliert aufreißt. In der Übergare wird das Glutengerüst überdehnt und geschwächt, wodurch es dem Druck des Ofentriebs nicht mehr standhalten kann.

Um eine Übergare zu vermeiden, ist es wichtig, die Gärzeit und die Temperatur sorgfältig zu kontrollieren. Eine kalte Gare im Kühlschrank kann helfen, die Gärung zu verlangsamen und die Aromenentwicklung zu fördern. Ein reifer Teig hat sein Volumen deutlich vergrößert und zeigt eine gute Gasbildung, ist aber noch stabil genug, um seine Form zu halten. Ein einfacher Test, um festzustellen, ob der Teig ausreichend gereift ist, ist der Fingertest. Bleibt eine leichte Delle zurück, ist der Teig optimal gereift.

Der Einfluss der Hydration

Ein zu niedriger Wasseranteil im Teig (geringe Hydration) kann ebenfalls dazu führen, dass das Brot unkontrolliert aufreißt. Ein trockener Teig ist weniger elastisch und kann dem Druck des Ofentriebs nicht standhalten. Wasser ist essenziell für die Teigbildung, da es die Glutenentwicklung ermöglicht. Ein Mangel an Wasser kann die Glutenstruktur schwächen und zu Rissen führen.

Die optimale Hydration hängt von der Art des Mehls und dem gewünschten Ergebnis ab. Mehle mit einem hohen Proteingehalt können mehr Wasser aufnehmen als Mehle mit einem niedrigen Proteingehalt. Um eine unkontrolliertes Aufreißen zu vermeiden, sollte das Wasser langsam und kontrolliert zugegeben werden. Eine Autolyse kann helfen, die Wasseraufnahme des Mehls zu verbessern und die Glutenentwicklung zu fördern. Ein gut hydratisierter Teig ist elastisch und lässt sich gut verarbeiten.

Die Bedeutung der Ofentemperatur und des Schwadens

Eine zu hohe Ofentemperatur zu Beginn des Backens kann dazu führen, dass die Kruste zu schnell verhärtet und das Brot unkontrolliert aufreißt. Der Ofentrieb, also die Ausdehnung des Teiges im Ofen, wird durch die Hitze beschleunigt. Wenn die Kruste zu schnell fest wird, kann der Teig nicht mehr kontrolliert aufreißen und sucht sich seinen eigenen Weg.

Das Schwaden, also das Einbringen von Wasserdampf in den Ofen zu Beginn des Backens, ist entscheidend für eine elastische Kruste. Der Wasserdampf verhindert ein zu schnelles Austrocknen der Teigoberfläche und ermöglicht ein optimales Aufgehen des Brotes. Nach dem Schwaden sollte die Temperatur reduziert werden, um ein zu schnelles Bräunen der Kruste zu vermeiden. Eine kontrollierte Ofentemperatur und ein ausreichendes Schwaden sind daher wichtig für ein gleichmäßiges Aufreißen des Brotes.

Weitere Faktoren und Tipps

Neben den bereits genannten Faktoren gibt es noch einige weitere Aspekte, die zu einem unkontrollierten Aufreißen des Brotes beitragen können. Eine zu geringe Luftfeuchtigkeit im Ofen kann die Krustenbildung beschleunigen und zu Rissen führen. Auch das Verwenden von zu viel Triebmittel (Hefe oder Sauerteig) kann den Ofentrieb beschleunigen und zu unkontrolliertem Aufreißen führen.

Um ein unkontrolliertes Aufreißen des Brotes zu vermeiden, sollte man alle Faktoren sorgfältig berücksichtigen und die Backparameter entsprechend anpassen. Eine genaue Beobachtung des Teiges während des gesamten Prozesses ist entscheidend, um Probleme frühzeitig zu erkennen und zu beheben. Mit etwas Übung und Geduld lässt sich auch ein Brot mit einem perfekten Ausbund backen. Die Freude am Ergebnis ist die Mühe allemal wert.

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