Emmerteig: Die richtige Wassermenge finden
Um die perfekte Emmerteig Wassermenge zu finden, braucht man beim Backen ein wenig Fingerspitzengefühl, besonders was die Wassermenge angeht. Manchmal ist es gar nicht so einfach, das richtige Maß zu finden. Die Teige verhalten sich oft anders, als man es von Weizen oder Dinkel kennt. Eine genaue Küchenwaage ist da schon hilfreich, aber selbst dann braucht man noch ein Gespür für den Teig, das kommt mit der Zeit.
Emmerteig und die Wassermenge: Eine Frage der Struktur
Emmer hat eine andere Stärkestruktur als moderner Weizen, was die Wasseraufnahme beeinflusst. Das merkt man schon beim Mischen, der Teig fühlt sich oft gleich zu Beginn etwas klebriger an und braucht dann doch noch mehr Flüssigkeit, um geschmeidig zu werden. Dieses Verhalten ist eine direkte Folge der genetischen Beschaffenheit des Emmers. Die Stärkekörner quellen anders auf, und die Proteine bilden ein etwas weniger elastisches Klebergerüst. Ich habe es schon oft erlebt, dass ein Emmerteig, der anfangs perfekt wirkte, nach einer kurzen Ruhephase unerwartet trocken wurde und sich dann nur noch schwer bearbeiten ließ. Hier hilft es, das Wasser in kleinen Schritten zuzugeben und den Teig zwischendurch immer wieder aufzunehmen und zu fühlen. Manchmal reichen da schon ein paar Milliliter mehr, um die Konsistenz zu verbessern.
Warum verhält sich der Emmerteig anders?
Die Klebeeigenschaften des Emmers sind weniger ausgeprägt als die von Weizen. Das bedeutet, das Klebergerüst, das für die Stabilität des Teiges verantwortlich ist, braucht mehr Unterstützung durch eine passende Hydration. Bei Emmer muss man da genauer hinschauen. Ist der Teig zu trocken, reißt er beim Formen schnell. Ist er zu nass, verläuft er schnell. Ich achte immer darauf, dass der Teig sich noch gut vom Schüsselrand löst, aber trotzdem elastisch ist. Das kann bedeuten, dass man die angegebene Wassermenge im Rezept etwas anpassen muss, je nach Mehlcharge und sogar der Luftfeuchtigkeit in der Küche. Eine Teigwanne ist da übrigens sehr praktisch, um die Entwicklung des Teiges über längere Zeit zu beobachten und gegebenenfalls noch etwas nachzuhelfen.
Die Rolle der Teigreife und Temperatur
Auch die Teigreife spielt bei Emmer eine große Rolle, wenn es um die benötigte Wassermenge geht. Während der Fermentation, also der Gärung, wird Wasser von den Hefen und Bakterien verbraucht und freigegeben. Ein zu kurz gegangener Teig kann sich anders anfühlen als einer, der die optimale Reife erreicht hat. Die Temperatur des Wassers und der Umgebung beeinflussen die Aktivität der Mikroorganismen und damit auch die Geschwindigkeit der Fermentation. Ein wärmerer Teig geht schneller auf und kann dann auch schneller an Feuchtigkeit verlieren, wenn er nicht richtig abgedeckt ist. Manchmal stelle ich fest, dass ein Teig, der bei Raumtemperatur reift, eine etwas höhere Hydration verträgt als einer, der im Kühlschrank über Nacht geht. Es ist ein ständiges Beobachten und Anpassen. Ein guter Teigschaber ist dabei unerlässlich, um den Teig immer wieder zusammenzufassen und seine Struktur zu überprüfen.
Flüssigkeitszugabe im Verlauf der Knetzeit
Es ist nicht immer notwendig, das gesamte Wasser auf einmal zum Mehl zu geben. Gerade bei Emmer kann es sinnvoll sein, einen Teil der Flüssigkeit erst nach einer kurzen Autolysephase oder sogar während des Knetens zuzugeben. Das ermöglicht es dem Mehl, das Wasser besser aufzunehmen und ein stabileres Klebergerüst zu entwickeln. Ich mache das oft so, dass ich erst ¾ des Wassers mit dem Mehl vermische und dann nach etwa 15 bis 20 Minuten den Rest nach und nach einknete. Der Teig wird dadurch geschmeidiger und lässt sich besser bearbeiten. Manchmal merkt man erst dann, wie viel Wasser der Teig tatsächlich noch braucht. Es ist ein Gefühl, das sich mit der Zeit entwickelt, eine Art Dialog mit dem Teig.
7 Tipps für den perfekten Emmerteig und die optimale Hydration
Damit dein Gebäck aus Emmermehl saftig wird und die Krume nicht trocken oder bröselig gerät, solltest du diese Punkte beachten:
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Schluckweise Wasser zugeben (Bassinage): Gib niemals die gesamte Wassermenge sofort zum Mehl. Emmer braucht Zeit, um die Feuchtigkeit aufzunehmen. Behalte etwa 10 % des Wassers zurück und gib es erst zum Ende des Knetvorgangs tröpfchenweise hinzu, wenn der Teig es verarbeiten kann.
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Die Ruhephase nutzen: Ein Emmerteig verändert seine Konsistenz nach der ersten Ruhephase (Autolyse). Was sich anfangs perfekt anfühlt, kann nach 30 Minuten plötzlich trocken wirken. Warte die Quellzeit ab, bevor du die finale Wassermenge beurteilst.
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Schonend kneten: Emmer hat ein empfindliches Klebergerüst. Zu intensives Kneten mit der Maschine zerstört die Struktur. Knete lieber kurz auf niedriger Stufe oder nutze die „Stretch & Fold“-Methode (Dehnen und Falten).
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Kühle Teigführung: Emmerteige profitieren von einer langen, kalten Gare im Kühlschrank. Das verbessert nicht nur das Aroma, sondern hilft dem instabilen Klebergerüst, über die Zeit mehr Standfestigkeit zu entwickeln.
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Präzision durch die Küchenwaage: Da Emmer bei der Wasseraufnahme sehr sensibel reagiert, entscheiden oft 10 bis 20 Milliliter über Erfolg oder Misserfolg. Verlasse dich nicht auf das Augenmaß, sondern wiege Wasser und Mehl exakt ab.
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Kombination mit Flohsamenschalen oder Kochstück: Wenn du eine sehr hohe Hydration (viel Wasser im Teig) erreichen willst, hilft ein „Quellstück“ oder ein wenig Flohsamenschalenmehl. Diese binden das Wasser langfristig im Teig und halten das Brot tagelang frisch.
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Der Fingertest: Lerne das Gefühl für die richtige Hydration. Ein idealer Emmerteig sollte sich seidig und leicht klebrig, aber nicht flüssig anfühlen. Wenn der Teig beim Ziehen sofort reißt, fehlt meistens noch ein kleiner Schluck Wasser.
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